Willkommen im Wunderland

Sonntag, 31. Dezember 2017

Schnee.
So ein simples Wort.
Für manch einen assoziiert mit Plage
Für manch anderen schiere Rage.
Doch für mich kommt es gleich einem Zauber.
Wenn alte Weisheiten aus charmanten Filmen
und wohlige Zimt-Orangen-Düfte mich umgeben.
Wenn es zur größten Freude gehört
mit Buchhelden Abenteuer zu bestreiten,
während mich in Decken gehüllt,
das Leben außerhalb begleitet.
Wenn es Zeit ist, die Familie zu besuchen
und jeden Einzeln in die Arme zu schließen.
Wenn es zur größten Aufgabe gehört,
anderen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.
Wenn Erinnerungen mich durchströmen
und Geschichten geteilt werden.
Wenn die Klänge der Weihnachtsklassiker die Räume füllen
mich mitreißen
und mit purer Freude weit geleiten.
Tänzelnden Schrittes wird dem tobenden Schneesturm
im Kalten nachgeahmt.
Wohlige Wärme durchzieht mich,
während auf der anderen Seite
die Welt sich verwandelt wiederfindet.

Es ist die Zeit der Malerei.
Der Dichtkunst.
Der Musik.

Es ist pure Poesie.
Inspiration.

Ich will schreiben.
Einen Stift zwischen meinen Fingern balancieren
und kreieren sehen.
Ich will singen, tanzen.
Musik erklingen lassen.
All der geballten Kraft in mir Ausdruck verleihen.
Es weitergeben.
Und ziehen lassen.


Ich habe so viel Liebe in mir.
Es klingt lachhaft, übertrieben.
Aber wirklich,
mein Herz schmerzt.
Wehmut, Glückseligkeit, Furcht und unglaublich viel Dankbarkeit
streicheln meine Seele gleich eines Windhauchs.
Und bleiben doch haften.
Ich will verzweifeln aufgrund der schier unmöglichen Aufgabe 
es jemandem begreiflich zu machen.
Diese Wucht. 
Diese Macht.
Wie ein Orientierungsloser unter Wasser
suche ich nach einem Ausweg.

"Willkommen im Wunderland" schießt mir durch den Kopf,
während wir durch diese weiße Landschaft fahren.
Es ist ein Winterwunderland.
Eine einsame Straße inmitten eines verzauberten Waldes.
Wohin das Auge reicht,
jeder Centimeter ist erleuchtet von einer riesigen Schneedecke.
Als hätte jemand eine Packung Puderzucker
lachend und hüpfend quer über dies Stück Land verstreut.

Bilder schießen mir erneut durch den Kopf.
Ich habe das plötzliche Bedürfnis,
die Zweige anzustupsen.
Den herunterrieselnden Schnee 
erwartungsvoll mein Lächeln und die Zunge entgegen zustrecken.
Ich will die kalte Nässe sich auf meiner Haut verteilen spüren.
Und all die Erinnerungen und Geschichten,
die sie im schmelzen erzählen,
in die Arme schließen.

Mein Herz pocht beim Anblick
der vom Himmel fallenden Sterne.
Ba bum.
Ba bum.
Ich spüre wieder Omas faltige Wange,
wie sie meine warm streift.
Ba bum.
Das Verlangen zu sagen"Ich hab euch lieb".
Ba bum.
Kinder, die lachen.
Sich mit Schneebällen bewerfen und Hügel hinunterrollen.
Ba bum.
Ich auf dem Sofa,
inmitten meiner Familie,
Kerzen,
eine warme Tasse Kakao in der Hand,
vom Duft frisch gebackener Plätzchen umgeben.
Ba bum.
Ausgestreckte Hände, die ich ergreife.
Ba bum.
Meine Augen füllen sich mit Tränen.
Verdammt, warum weine ich jetzt?

Das Verlangen meine ganze Familie,
meine Vergangenheit,
in den Arm zu nehmen.
"Danke" zu sagen.
Und jeden dieser Körper, 
dieser Geister bewusst wahrzunehmen.
Ihre Existenz zu genießen.
Und ihnen jede alte Sorge,
jedes alte Bereuen
von den Schultern zu nehmen.

Eine einzelne kleine Schneeflocke  
setzt sich auf meiner Nasenspitze nieder.
Mit glasigen Augen verselbstständigt sich ein breites Lächeln.
Ich bin so dankbar für dieses Leben.












Erinnerungsprotokoll: "Anna Karenina"

Montag, 4. Dezember 2017

Ein Abend in der Münchner Staatsoper:


Das Licht wird von dem riesigen Kronleuchter reflektiert. Alles funkelt und glitzert. Ich betrachte die Menschen um mich herum. Elegante Abendgarderobe, verzierte Cocktailkleider, doch auch treue Pulli-Anhänger, die der Kälte draußen scheinbar noch nicht ganz entfliehen können.

Als sich das Licht verdunkelt spüre ich die gespannten Erwartungen auf das nun Folgende.

Der Vorhang lichtet sich und wir sehen kleine Menschengruppen in starrer Haltung auf einer eher düsteren und kargen Bühne angeordnet. In meinem Kopf rattert es bereits…welche der Frauen könnte Anna Karenina sein? Da setzt es sich auch schon in Bewegung. Fließende Bewegungen, ein langsames Erwachen. Ein Mann, dessen Avancen gegenüber den Dienstmädchen in den Vordergrund rücken. Ich bin verwirrt…ist er der Bruder, Ehemann oder eine völlig fremde Person? Vielleicht hätte ich mir vorher die Geschichte noch einmal genauer in den Kopf rufen müssen.

Die folgende Stunde ist immer wieder von Momenten wie diesem durchzogen. Es gibt einen stetigen Wechsel dreier ähnlich anmutender Frauen, welcher mein Verständnis noch verschleiert. Doch spätestens als Anna Karenina in ihrem berühmten wunderschönen roten Kleid über die Bühne schwebt, lichtet sich alles. Ihre Paartänze mit dem Offizier ziehen mich in ihren Bann. Wie können solch hart trainierte Bewegungen so rein, natürlich und anmutig aussehen? Dieser Tanz strahlt eine Art der Intimität aus, die mich völlig einnimmt. Es fühlt sich an als wäre der ganze Saal berauscht.

Es folgt unter anderem eine Szene auf dem Feld. Mehrere Männer betreten oberkörperfrei die Bühne, vor mir flüstert jemand „Oh, jetzt wird es spannend!“ und es beginnt ein Tanz, der durch seine Synchronität und Kraft besticht. Es ist deutlich dynamischer, akzentuierter als davor. Umso mehr fallen mir leider ein zwei Stellen auf, die nicht ganz so synchron waren wie erwartet. Eine große Überraschung folgt bald darauf vor allem durch eine Sängerin. Die einzig gesprochenen Worte. Auf Russisch. Doch das heißt nicht, sie könnten einen weniger erreichen. Die Stimme der Sängerin füllt den Saal, ich bemerke wie sich im Publikum einige anerkennend zunicken. Es ist schön eine Stimme zu hören. Emotionen über menschliche Klänge vermittelt zu bekommen. Der erste Abschnitt endet mit einer dramatischen Geste: einer der Hauptcharaktere kniet allein am Rande der Bühne und hält sich seine Pistole an den Kopf. Unterstrichen durch die Dramatik der Musik hat das Fallen des Vorhangs hier eine starke Wirkung. Die Lichter gehen an und ich muss erst einmal durchatmen.

Nach der Pause wird schnell klar, wir nähern uns dem „grand finale“. Ich muss lächeln beim Anblick der bezaubernden Hochzeit, die mit solch tänzelnder Leichtigkeit an uns vorbei zieht. Es dauert jedoch nicht lange bis sich das Blatt wendet und die Bühne zum Schauplatz eines tragischen Schicksals wird. Anna Karenina trägt inzwischen ein immer noch wunderschönes Kleid. Doch, diesmal in schwarz. Sie wird wechselnd umzingelt von der Familie und der so hübsch gekleideten Gesellschaft. Von allen Seiten: Verurteilung. Verurteilung. Verurteilung. Ich spüre wie mir schwer ums Herz wird. Es ist doch immer noch die größte Tragik. Die unglückliche Liebe und das Streben nach Akzeptanz innerhalb der Gesellschaft.





Die Siegerpose

Mittwoch, 14. Juni 2017

Tobender Applaus.
Jubelrufe, euphorisches Klatschen.
Ein akustischer Schwall von über 1000 Menschen.

Ich reiße die Arme hoch.
Richte mich auf.
Mein Gesicht neigt sich gen Himmel.
Ich fühle mich unbesiegbar.
Erfüllt von so viel Licht, dass es mich überwältigt.
Die Lippen formen sich automatisch zu einem befreiten Lächeln...


Momente wie diesen haben sich vorletztes Wochenende bei mir summiert.
Summiert bis zur letzten Minute als ich die Halle in den Sonnenuntergang eines Sonntagabends verließ.
So stand ich nun, mit einem Sturm an Emotionen in mir, plötzlich draußen vor dieser Halle.
Den Blick in den Himmel gerichtet. Den noch von warmen einlullenden Orange- und Rosa-Tönen überzogenen Himmel.
In eine Wolkenformation, an ein von Eisschollen überzogenes Meer erinnernd.

Es ist schwer zu beschreiben was in mir in diesem Moment vorging.
Mein Kopf versuchte wohl noch zu verarbeiten was diese zwei Tage alles passiert ist.

"In was für einer Sekte war die denn zugange?!" höre ich jetzt schon einige laut denken.

Keine Sekte, kein Konzert oder was einem sonst dabei einfällt.
Ein Seminar. Ein Motivations-Seminar mit sehr vielen Menschen. Mit sehr viel Inspiration.
Und vor allem Emotionen. Liebe, Ehrlichkeit von Menschen, die sich bis dahin völlig unbekannt waren.

Eine Woche später rekapituliere ich die Ereignisse dieses Wochenendes. Meine Euphorie ist etwas abgeebbt, doch mich durchfährt immer noch ein Kribbeln bei der Erinnerung daran.
Und ich lächel mehr. Jammer weniger. Zumindest ein kleines bisschen. Und führe deutlich mehr interessante Gespräche. Stärke Beziehungen und...LEBE mehr!

Ich habe viel über das Gelernte nachgedacht. Über mein Leben und was mir wichtig ist. Denn, ganz ehrlich, bis vor kurzem war mir nur sehr verschwommen klar was mein größtes Anliegen im Leben ist. Ein kleiner Schritt in Richtung Lebenssinn, wenn man so sagen will.

Und meine wichtigsten Vorsätze, die ich daraus mitgenommen habe möchte ich gerne mit euch teilen.

Warum?

Weil ich denke, dass die Welt ein kleines bisschen besser wäre, würde jeder diese Punkte öfter befolgen.

1. Mehr Lachen.
Lauthals aus dem Bauch lachen. Den Kopf hinter werfen, vollends in dieser Freude aufgehen. Keine Angst davor haben, laut zu sein.

2. Öfter Schreien.
Mag sich merkwürdig anhören, aber verdammt nochmal es kann ja so unglaublich befreiend sein einfach mal etwas für sich rauszuschreien! Lasst es raus mit allem was ihr habt!

3. Mit fremden Menschen reden.
Kommunikation ist das natürlichste auf dieser Welt. Eigentlich.
Viel zu oft gehe ich mit Scheuklappen durchs Leben. Den Blick auf das Handy gerichtet oder einfach für mich mit meiner Musik, abgeschottet. Und ich bin nicht die Einzige.
Der Tag kann gleich so viel schöner sein, sprichst du mal mit Unbekannten! Nicht nur ist es für beide Parteien eine Wohltat mal wieder etwas Sozialkontakt zu haben, sondern es können sich auch wahnsinnig interessante Gespräche ergeben, die du so vielleicht nie führen würdest!

4. Blickkontakt.
Darauf versuche ich inzwischen IMMER zu achten! Du baust automatisch eine ganz andere Bindung zu Menschen auf. Und du willst doch bestimmt wissen, welche Augenfarbe dein Gegenüber hat, oder? ;)

5. Komplimente aussprechen.
Damit meine ich nicht "Oh, süßes Top!", wobei das natürlich ab und zu auch ganz schön ist, aber ich rede von ernst gemeinten und vor allem bedeutungsvolleren Komplimenten.
Sagt euren Freunden, Verwandten, wem auch immer, ruhig mal wie viel Freude sie verbreiten! Oder wie sehr du ihre Ehrlichkeit oder Unterstützung zu schätzen weißt!

6. Wertschätzen.
Mir geht es gut. Klar, habe ich ab und an meine kleinen großen Krisen, doch wenn wir ehrlich sind, meist nicht wirklich Bedeutsame. Mein Leben hat seine Macken, wie jedes Andere auch. Aber ich habe eine wunderbare Familie, Kraft- und Freude-spendende Freundschaften, die Möglichkeit auf Bildung, ein Dach über dem Kopf, die Freude am Leben! Sei es der erste Sonnenstrahl, der mich morgens wach küsst, ein kühler Windhauch, der meine erhitzte Haut streift, die Musik in meinen Ohren, die mein Herz zum tanzen bringt! Ich lebe, ich kann genießen, ich kann Leidenschaft empfinden, ich kann etwas von all dem weitergeben! Es gibt so viel, wofür ich dankbar sein kann und das sollte viel öfter in Erinnerung gerufen werden!




Zeitalter der Bekanntschaften

Montag, 3. April 2017

475 Freunde auf Facebook,
1023 Follower auf Instagram,
165 Kontakte auf Whatsapp.

Nie hat man sich so über Zahlen definiert wie heute.
Das Internet ist zu unserem zweiten Erscheinungsbild geworden. Hat der erste Eindruck, sozusagen die einmalige Aufführung nicht genug überzeugt, so dienen Accounts der sozialen Netzwerke als zweite Chance das Bühnenbild noch beeindruckender zu präsentieren.
Doch hier soll es gar nicht primär um das Internet gehen, sondern vielmehr um ein damit einhergehendes Phänomen.
Wir sind in einem Zeitalter der Bekanntschaften angekommen.
Im Fokus steht Quantität, statt Qualität.
Das möchte ich nicht für alle annehmen, es ist lediglich eine zurzeit gehäufte Beobachtung meinerseits.
Soziale Netzwerke ermöglichen uns ständige Erreichbarkeit, weltweite Kommunikation, grenzenlose Möglichkeiten und somit auch eine unglaublich große Instandhaltung von Kontakten.
Und das wird natürlich genutzt.
Denn welch einfachere Methode gibt es, sich all seine Kontakte übersichtlich zusammen zuhalten und dann auch noch im Luxus, der hauptsächlich sehr oberflächlichen Pflege?
Doch liegt genau da nicht das Problem?
Kann dieser Überschwang an Kontaktmöglichkeiten, die ständige Präsenz so vieler Menschen nicht dazu führen, die wirklichen Freundschaften aus dem Auge zu verlieren?
So viele Gespräche drehen sich heutzutage um die neuesten Fotos, der Instagram-Accounts anderer Leute, die Snapstories von Bekannten oder den teilweise soapwürdigen Dramen von Freunden und Freundes Freunden.
Wir sind so vernetzt miteinander, dass sich die Fäden immer weiter spannen. Und gleichzeitig werden viele Gespräche immer oberflächlicher, immer ähnlicher. Es ist als wäre man in einer modernen, Internet verseuchten Version von "Und täglich grüßt das Murmeltier".
Ich bin an einem Punkt angekommen, der mich überdenken lässt, was wirklich Freunde sind. Wer sie sind. Und
von Herzen zu schätzen, sie für zukünftige Abenteuer an meiner Seite zu wissen.
Denn ist es nicht so, dass wir immer mehr Kontakte halten, von denen wir insgeheim wissen, dass sie uns nicht gut tun?
Zu oft habe ich von Freunden gehört, dass vermeintlich gute Freunde ihrerseits, über sie lästerten, ihnen ein ungutes Gefühl gaben, ein unnötig schlechtes Gewissen bereiteten, in schwierigen Situationen nicht als Schulter zum anlehnen und unterstützen dienten. Das sind für mich keine Indizien wahrer Freundschaft.
Genauso wenig, wie wenn man nicht das Gefühl hat, unter diesen Menschen komplett man selbst sein zu können, und was gibt es wichtigeres? Stattdessen wird sich angepasst, Rollen werden eingenommen.
Der Aspekt des "viele Freunde habens" hat für einige den Charakter eines Statements, eines Statussymbols angenommen. Doch warum nimmt das einen höheren Stellenwert ein als unser eigenes Wohlbefinden?
Wenn ihr mich fragt, machen gute Freundschaften aus, dass man sich fallen lassen kann und einem Energie zukommt und nicht genommen wird. Dass es ein Geben und Nehmen gibt, welches sich die Waage hält. Nicht umsonst heißt es, Freunde sind die Familie, die man sich aussucht.
Also fassen wir doch den Mut zu unterscheiden. Bekanntschaften von Freundschaften zu trennen.
Den Mut energieraubende, belastende Beziehungen zu kappen oder reduzieren.
Fokussieren wir uns wieder mehr auf die Menschen, die uns wirklich wichtig sind. Die mit denen es genauso gut möglich ist einen Abend zusammen Pferde zu stehlen, wie den anderen Abend über den Sinn des Lebens zu philosophieren.
Die uns am tiefsten Punkt angekommen, helfen eine Leiter zu bauen und die mit uns, den Hochpunkt erreicht, bis zum Morgengrauen durchtanzen.
Die Art von Freunden, mit denen man über alles und nichts reden kann. Zusammen den Sternschnuppen hinterherjagt.
Denn es braucht keine Horde an Menschen hinter dir, nur ein paar Wenige.
Aber dann die Richtigen.




How to be single

Samstag, 4. März 2017


Das Konzept der einzig wahren Liebe hat sich die letzten Jahre ganz schön gewandelt.

Überall hört und liest man von neuen Tinder-Date-Disastern, dem verzweifelten Single-Dasein á la "Was mache ich nur falsch? Ich bin doch eigentlich ganz lieb!" und zig Freundschaft Plus Beziehungen, die mal mehr mal minder gut laufen.
Man springt von Date zu Date, Chat zu Chat.
Auf der ständigen Suche nach DEM/DER einzig Wahren.

Warum sind wir so besessen von diesem Thema? Wieso scheinen wir uns nur über unseren Beziehungsstatus zu definieren?

Gibt es überhaupt noch andere Themen über die wir reden und uns Gedanken machen können?

Manchmal scheine ich dies arg zu bezweifeln.
Aber seien wir mal ehrlich, die meisten lieben doch das damit einhergehende Drama.

Natürlich gibt es andere Themen. Natürlich können wir auch alleine. Natürlich ist das kein Definitionsmittel.

Denn was sagt es schon über mich aus in einer Beziehung zu sein?

Wir sollten endlich aufhören uns im Selbstmitleid zu verlieren und zu degradieren aufgrund des Single-Status.

Denn Fakt ist, es gibt neben einigen Guten auch einige Beziehungen, die ziemlich schief laufen oder in einer Form von Abhängigkeit enden, welche nicht mehr feierlich ist. Und warum? Weil nur aus ZWEI für sich GANZEN ein Ganzes entstehen kann!

Ich bin ich. Und nicht ich bin wir.

Viele scheinen sich in einer Beziehung als Individuum zu verlieren.

Doch genau das gilt es doch zu vermeiden.
Denn wir leben für uns! Wir leben unser Leben! Wir treffen die Entscheidungen darüber wie wir es verbringen und mit wem wir Pferde stehlen wollen!
Es ist ganz einfach. Und trotzdem so schwer. Allein sein ist für die wenigsten attraktiv. Es scheint eine inzwischen oft vergessene Form des Zeitvertreibs zu sein.
Ich habe mir vor ein paar Monaten angewöhnt öfter spazieren zu gehen. Einfach durch die Stadt zu schlendern, in ein Café zu setzen, den dampfenden Kaffee vor der Nase das Treiben um mich zu beobachten und Gedanken nachzuhängen, all die kleinen Straßen im Großstadtdschungel zu erkunden und die geheimen Underdog-Spots aufzuspüren. Ich liebe es, und ich verbringe Stunden damit. Aber es ist mir trotzdem unangenehm anderen davon zu erzählen. Warum? Weil es heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist. Durch unsere ständige Erreichbarkeit und dem Leistungsdruck, dem wir ausgesetzt sind, verbringen wir kaum noch Zeit mit uns selber. Und das macht sich bemerkbar. Zum Beispiel war früher mein Lieblingsteil des Zuschlafengehens einige Momente kurz bevor ich einschlief. Gemütlich in die Decken gekuschelt, der Blick gen Sterne als sich die Augen schlossen, und den Gedanken waren keine Grenzen gesetzt. Die geheimsten Geheimnisse, die aufregendsten Erlebnisse, die größten Ängste, die kitschigsten Fantasien. Ich brauchte mich nicht zurückzuhalten, ich brauchte mich nicht zu verstecken, denn das war einfach nur ich. Und Momente wie diese haben mich so viel reflektieren lassen. Doch mit der Zeit wurde es immer mehr durch das Lesen-bis-die-Augen-zufallen und nächtliche Handy checken abgelöst. Und irgendwann wurde mir klar...Ich habe mich schon zu lange nicht mehr mit mir selbst beschäftigt. Ich habe schon zu lange nicht mehr meinen Ängsten ins Auge geblickt. Ich habe mich selbst ausgetrickst, indem ich so tat als gäbe es nichts worüber ich mir Gedanken machen müsste. Doch das hat mich dahingehend eingeschränkt, dass ich immer weniger zu erzählen hatte. Durchdachte Kritik, sowie konkrete Pläne zu verfolgen, all dies fiel mir auf einmal noch schwerer als davor. Ich war wie eine leere Hülle, lediglich gesteuert durch Erwartungen. Von Kreativität keine Spur. Nicht mal ein Staubkorn.

Wie soll also jemand, der sich selber nicht kennt und nicht mit sich alleine sein kann, eine glückliche gesunde Beziehung führen?
Gar nicht. Das ist meine Meinung.
Denn wenn ich selber schon nicht Zeit mit mir verbringen will, wie sollte es dann von jemand anderem erwartet werden?
Deshalb bin ich überzeugte Verfechterin des Single-Daseins. Nicht ein Leben lang, aber wir sollten diesen Lebensabschnitt nicht ablehnen.

Bis wir über ein Gegenstück stolpern, bei dem wir uns nach einem anstrengenden Tag in die Arme flüchten wollen, mit dem wir stundenlang Gespräche führen können und trotzdem süchtig nach mehr sind.
Bis es dazu ganz ungezwungen kommt, sollten wir die Freiheiten genießen und uns selber erst einmal lieben lernen.


Denn:

Es geht nicht ums Überleben.
Es geht ums Zelebrieren.



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